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Wenn Ex-Beamte in die Privatwirtschaft wechseln

Geschrieben am 26.November.2012

In einem gemeinsamen datenjournalistischen Projekt haben wir zusammen mit der "Sonntagszeitung" personelle Verflechtungen zwischen ehemaligen Bundesangestellten und den vom Bund beauftragten Unternehmen aufgezeigt. Das aufsehenerregende Resultat war in der letzten Ausgabe (25. November 2012) der "Sonntagszeitung" zu lesen und wird in diesem Blogbeitrag nochmals vertieft.

Indem wir die "Wirtschaftshistorie" von Bundesangestellten (ehemalige Mandate, Beteiligungen über 50%) ermittelten und alle Mandatsträger der beauftragten Unternehmen (öffentlich zugängliche Handelsregisterinformationen) ausweisten, konnte die Sonntagszeitung durch einen Abgleich mit der Bundespersonalliste "Übereinstimmungen" ausfindig machen. So konnte mithilfe unserer Auswertungen einige gravierende Fälle von Begünstigungen- im Volksmund "Filz" genannt- bei der Auftragsvergabe durch die Bundesverwaltung (bei Bundesämtern wie der ASTRA, BBT, VBS) identifiziert werden. Die Infografiker der beiden Redaktionen haben daraufhin auf Basis unserer Daten eine eindrucksvolle Grafik erstellt:

 

 

Dank unseren Daten konnten folgende Szenarien, die die Verbandelungen zwischen Bundesbeamten und Unternehmen (die einen Zuschlag erhalten haben) aufzeigen (Illustration durch die Sonntagszeitung).

 

Heikel wird es somit, wenn Mitarbeiter von Bundeslieferanten in die Verwaltung wechseln und dort mit der Vergabe von Aufträgen betraut sind. Ebenso scheint der Wechsel von Kadermitgliedern in die Privatwirtschaft problematisch zu sein. Denn oft bieten diese ihre Dienstleistungen den ehemaligen Kollegen im Auftragverhältnis an und erhalten angesichts der gut funktionierenden Beziehungen (und Insiderwissen) den Zuschlag des Bundesamts.

 

Vielen Befragte bejahren gemäss Recherchen der Sonntagszeitung diesen bedeutenden Faktor: "Direkte Beziehungen zum Projektteam sind oft massgebend"

 

Mit diesem Projekte konnten wir neue Standards für die Zusammenarbeit zwischen Datenanbieter und Datenverarbeitung setzen. So wurde gemeinsam proaktiv  nach Themen und spannende Fakten und Auswertungsmöglichkeit gesucht. Dieses Projekt ist ein gutes Anschauuungsbeispiel dafür, wie eine neue Form im Datenjournalismus sich etabliert. Nicht die Schlagzeile determiniert den Bedarf an (zu untermauernden) Auswertungen, sondern durch eine gemeinsame Analyse von generierten Datensätzen werden Trends, Muster oder Matchings abgeleitet und Themen gesetzt.

 

Näheres zur Methodik des Infografikers Martin Grandjean, welcher obige Grafik erstellt hat, kann man in seinem Blog PegasusData nachlesen.