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Viele KMUs betreiben kein konsequentes Mahnwesen

Geschrieben am 5.Dezember.2012

In der gestrigen Session wurde die Motion "Stopp dem Zahlungsschlendrian" auf Antrag des Bundesrats abgeschrieben. Höherer Verzugszins verbessere nicht zwingend die Zahlungsmoral der Schuldner, befand eine Mehrheit der Parlamentarier. Damit hat der Nationalrat nicht Unrecht, denn ausbleibende Einnahmen von KMUs sind häufig auch eigenem Verschulden und fehlenden Administrationskapazitäten zuzurechnen.

Dank einer links-bürgerlichen Mehrheit (107: 57) wurde die Motion "Stopp dem Zahlungsschlendrian" abgeschrieben. Damit folgte die Mehrheit des Nationalrats dem Antrag des Bundesrats. Dieser begründete seine Ablehnung mit der höheren finanziellen Belastung von Konsumenten und Unternehmen. 

 

Betrachtet man das Abstimmungsverhalten auf politnetz.ch zu dieser Motion und die dazugehörige Debatte etwas genauer, so ist das heterogenste Abstimmungsverhalten bei der CVP-Fraktion zu erkennen. Hier lohnt sich ein Blick auf die Abweichler der Fraktion.

 

Hier einige der

 

Auch wenn die abtrünnigen Politiker allgemein als Mitglieder des konservativen Flügels der Partei gelten, so lassen sich bei einigen noch weitere Gemeinsamkeiten bei den Interessensbindungen erkennen. Sowohl  Jakob Büchler (Landwirtschaftliche Kreditgenossenschaft des Kantons St. Gallen) als auch Ruedi Lustenberger (Zentralstelle für das gewerbliche Bürschaftswesen Schweiz, Schweizerischen Gewerbeverband) verfügen über aktuelle und ehemalige Mandate bei Kreditgenossenschaften und Unternehmensverbänden. Beim Finanzmann Markus Lehmann könnte die Sicht des Kreditleihers aufgrund seiner Interessenbindungen in unterschiedlichen Banken (Bank Coop, Basler Kantonalbank) ebenfalls in seine Entscheidung hineingespielt haben.

 

  1. Die Problematik von Debitorrisiken ist in der Tat komplexer, als es der Motionstext suggerieren vermag. Aus unserer Erfahrung gibt es neben dem Zahlungsverzug des Schuldners, auch von Seiten des Rechnungsstellers einige Mängel beim Mahnwesen zu konstatieren, die betroffene Unternehmen in finanzielle Engpässe manövrieren. Die KMUs unterlassen bei der Rechungstellung die Verrechnung etlicher Kostenpunkte, was fehlende Einnahmen zur Folge hat.

 

Neben der Zahlungsmoral des Konsumenten, können folgende Versäumnisse bei Unternehmen festgehalten werden:

 

  1. 1. Der Verzug der Rechnungsstellung des Leistungserbringers sowie ein ungenügendes Mahnwesen lässt die Kosten eines Unternehmens schnell ansteigen.

  2.  

    2. Oftmal werden erbrachte Leistungen nur mangelhaft oder ungenügend in Rechnung gestellt:

  3. a) Leistungen von Drittpartnern werden nicht oder nur ungenügend weiterverrechnet
    b) Oft werden Leistungen zu billig offeriert, d.h. unterhalb der effektiven Arbeitszeit angeboten (zum Beispiel wurde nur 4h Aufwand offeriert, aber 8h Arbeitszeit geleistet)
    c) Reisezeit (Hin- und Rückfahrt) wird nicht weiterverrechnet
    d) Allgemeinde Kostensätze für die Administration werden nicht einkalkuliert

  1.  

    3. Wechselkurse werden falsch berechnet.

  1.  

Last but not least: Eine ungenügende Risikoprüfung des potenziellen Kunden und Konsumenten vorab führt ebenfalls zu unvorhergesehenen Zahlungsausfällen. Diese Risiken lassen sich mit einer kurzen Bonitätsprüfung auf verschiedenen Wirtschaftsdatenbanken (mit Informationen über Privatpersonen und Unternehmen) umgehen.