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Medienrückblende und Learnings zu unseren Auswertungen „Wo leben die Verwaltungsräte in der Schweiz?“

Geschrieben am 13.August.2012

Das Echo auf unsere Auswertungen über die Wohnorte und Höhe des Kapitalvolumens von Verwaltungsräte war gross. Etliche Journalisten von lokalen und regionalen Medienblättern meldeten sich nach Publikation unserer Medienmitteilung gleich telefonisch und erkundigten sich nach unseren Auswertungen. 

Die Befunde erstaunten in der Tat: So führten eher unbekannte Gemeinden die Auswertung über die "kapitalstärksten Wohnorte" an, die nun schlagartig in das mediale Rampenlicht gerückt worden sind. Grund genug für verschiedene lokale Medienschaffende, diesem Phänomen etwas genauer auf den Grund zu gehen.

 

Vorab ein kleiner Medienspiegel über unsere Auswertungen:

 

NZZ am Sonntag (und zweiter Printartikel im l'Hebdo)

Innerschweiz Online

SOAktuell:

Le Temps

Aare24

DRS1 Regionaljournal Aargau Solothurn und Radio 1 (Podcast nicht verfügbar)

Berner Zeitung

 

Ob das grosse mediale Interesse sommerlochbedingt war oder der allgemeinen Faszination für das Leben der hiesigen Wirtschaftselite entspricht, darüber lässt sich nur mutmassen. Fakt ist: Egal ob gebührenfinanziertes Fernsehen, Privatmedium, Radiosender sich bei uns meldeten, meist wurden dieselben Fragen gestellt. 

 

Verwaltungsräte mit wenig Skandalpotenzial

Im Folgenden möchten wir auf diejenigen Fragen eingehen, die uns von den Journalisten am häufigsten und denen teilweise einige profunde Missverständnisse zugrundeliegen. Diese möchten wir auf diesem Weg aufklären: 

 

-          In den Top 100 der „kapitalschwersten“ Gemeinden handelt es sich v.a. um Tausend-Seelen-Dörfern. Wie erklären Sie sich die Situation? Wieso wohnen Verwaltungsräte ausgerechnet in kleinen Dörfern?

Weshalb sich Verwaltungsräte für den Hinzug in kleine Gemeinden entscheiden, darüber lässt sich nur spekulieren. Diese Frage beruht allerdings auf der irrigen Annahme, bei den besagten Gemeinden würden besonders viele Verwaltungsräte leben. Das Gemeinderanking wurde jedoch nach der Variable VR-Dichte PRO Verwaltungsrat erhoben. Somit können bei einer absoluten Zahl von 100 wohnhaften Verwaltungsräten, einige wenige „mandatsreiche“ Vertreter strategischer Gremien die jeweilige Gewichtung und die Positionierung der Gemeinde stark beeinflussen. Würden diese wegziehen, figurierten einige Gemeinden wohl nicht mehr unter den 100 kapitalschwersten Ortschaften.

 

-          Wer sind die Köpfe in den Gemeinden Oberwil-Lieli, Hilterfingen und v.a. in Epalinges (Top3)  mit der höchsten Kapitalsumme?


Eine verlockende, naheliegende Frage. Aufgrund unserer Richtlinien im Bereich des Datenschutzes ist die Herausgabe der gewünschten Personenliste nicht legitimierbar. Mit etwas Eigenrecherche entdeckt der oder die Journalistin jedoch den einen oder anderen Namen, zum Beispiel auf unserer öffentlich zugänglichen Wirtschaftsdatenbank Infocube.ch.  Man gebe in das Suchfeld den gewünschten Ort ein und ackert sich durch die Trefferliste durch. Da auf Infocube.ch nur Handelsregisterinformationen verarbeitet werden, werden nur Personen mit aktiven oder inaktiven Mandaten (also vor allem Verwaltungsräte) aufgeführt.

 

Epalinges.JPG

 

Erwartet man (wie bei einigen Medien auf Anfrage der Fall) nun reiche Investmentbanker oder Rohstoffhändler, die in Epalinges oder Hilterfingen wohnhaft sind und viele Mandate über die Jahre anhäuften, so wird man enttäuscht: Die meisten betroffenen Verwaltungsräte sind „gewöhliche“ Personen, die Einsitz in renommierten Institutionen wie der SBB oder der Migros haben. Verwaltungsräte mit wenig Skandalpotenzial.

 

-          Wieso leben diese Verwaltungsräte dort?

Diese Frage interessiert natürlich brennend und ist angesichts der vorliegenden Auswertung nachvollziehbar. Doch beruht auch sie auf einem Irrtum, welches zuerst aus dem Weg geräumt werden muss: Es handelt sich bei Verwaltungsräten nicht zwingend um vermögende Personen. Die vertretene Aktienkapitalhöhe widerspiegelt nämlich nicht die persönlichen Besitzverhältnisse.

 

Augenfällig ist zwar, dass gerade in Bremgarten bei Bern, Bottmingen massive Senkungen des Steuerfusses vorgenommen wurden in den letzten Jahren. Ob Verwaltungsräte zum Zweck der Steueroptimierung in jene Gemeinde hinziehen, können wir weder bejahen noch verneinen. Wir wissen es schlichtweg nicht. Was die genauen Beweggründe für eine Niederlassung in Oberrohrdorf sind, lässt sich also nur durch ein persönliches Interview mit den betroffenen Personen vor Ort klären.

 

Learnings für die OFWI: Fokus auf ein Ranking mit Interpretationen

Unsere Learnings nach dem ganzen Medienrummel: Trotz unserem expliziten Hinweis, es handelt sich bei unseren Zahlen um einfache Auswertungen, wurden in der Medienberichterstattung oftmals "von einer Studie" der OFWI gesprochen. Dieser Begriff ist eine irreführende Bezeichnung unseres Datensets, da wir keine Analyse im eigentlichen Sinne veröffentlicht haben. Ausserdem wird dadurch der Eindruck erweckt, die OFWI sei eine Forschungsinstitution und keine Wirtschaftsauskunftei.

 

Die Herausgabe eines konkreten Rankings, also nackter Rohdaten ohne vorgefertigen Interpretationen, bedarf verständlicherweise weiterführender Erklärungen. Auf die Anfragen seitens der Medien waren wir vorbereitet, doch verfügten wir nicht über das nötige Interpretationswissen „in petto“. 

 

Denkbar wären also in Zukunft Verknüpfungen mit weiteren Datensätze (wie zum Beispiel der Steuerfuss der jeweiligen Gemeinden, oder deren Bevölkerungsgrösse), um mögliche Zusammenhänge und Erklärungsansätze zu präsentieren. 

Unsere zweite Auswertung (wo wohnen effektiv die meisten Verwaltungsräte, die absolute Zahlen somit) stand etwas abseits "im Schatten" des Gemeinderankings und wurde nur von wenigen Medien aufgenommen.

 

Um die Verwechslungsgefahr zwischen den beiden Auswertungen zu vermeiden (so meinten einige Journalisten, in Epalinges würden die meisten Verwaltungsräte leben), macht es Sinn, sich nur auf ein Ranking zu konzentrieren. Diese soll dafür, sofern Kapazitäten vorhanden sind, mit passenden Erklärungsmustern und Texten im Sinne einer Kurzstudie angereichert werden. 

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