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Die Russen kommen! Wirklich?

Geschrieben am 24.Mai.2012

Immer wieder sorgen reiche Oligarchen aus Russland mit spektakulären Übernahmeaktionen oder dem Zukaufen von Anteilen an Schweizer Fussballclubs, Hotelgaststätten oder Grosskonzernen für Aufsehen in den Medien. Jüngst bereitete die Erhöhung der Aktienanteile durch den russisch-griechischen Milliardär Filaret Galchev-Kaltsidis am Konzern Holcim dem Top-Management rund um Verwaltungsratspräsident Thomas Schmidheiny grosse Sorgen.

Immer wieder sorgen reiche Oligarchen aus Russland mit spektakulären Übernahmeaktionen oder dem Zukaufen von Anteilen an Schweizer Fussballclubs, Hotelgaststätten oder Grosskonzernen für Aufsehen in den Medien. Jüngst bereitete die Erhöhung der Aktienanteile durch den russisch-griechischen Milliardär Filaret Galchev-Kaltsidis am Konzern Holcim dem Top-Management rund um Verwaltungsratspräsident Thomas Schmidheiny grosse Sorgen.

Doch treffen die Klischees überhaupt zu? Wird die Führung serbelnder Unternehmen vermehrt in die Hände einzelner russischer Neureichen gelegt? Oder handelt es sich hierbei mehr um eine mediale Aufbauschung vereinzelter Milliardäre?

Werfen wir auch hier ein Blick auf die Fakten:

RUSSLAND Total Mandate (MGT und VR) bei Schweizer Firmen

Total 2002 340

Total 2007 950

Total 2012 1937

Die Zahl der russischen Führungskräfte liegt, trotz Zunahme hinauf in den vierstelligen Bereich, im absolut überschaubaren Rahmen.

Betrachten wir die Daten gesondert für Management und Verwaltungsrat, so lässt sich daraus eine bemerkenswerte Entwicklung herauslesen, die zumindest die These der zunehmenden Beteililigungen und Einflussnahme reicher Russen etwas bestätigen kann.

RUSSLAND Verwaltungsrat (VR)

VR M 2002    147                 VR F 2002   21

VR M 2002    729                  VR F 2002 218

Die Zunahme VR F 2002-2012 im Verhältnis zu den Männern beträgt 84,1%

RUSSLAND Management (MGT)

MGT M 2002 172        MGT F 2002   57

MGT M 2012 624       MGT F 2012    402

Die Zunahme MGT F 2002-2012 im Verhältnis zu den Männern beträgt 57 %

Die Russen führen mehr strategisch als operativ

Im Gegensatz zu vielen anderen ausländischen Führungskräften, die mehrheitlich im Management von Schweizer Firmen vertreten sind, verfügen russische Männer absolut mehr Mandate im Verwaltungsrat (729) als auf der operativen Leitungsebene (624). Was bedeutet: Die Russen leiten in der Chefetage mehr die strategischen Geschicke einer Schweizer Firma als das Tagesgeschäft. Dieser Befund passt relativ gut zum Bild des vielreisenden und gut vernetzten Jetsetter- Russen, der sich nicht zwingend nur in der Schweiz niederlässt.  

Von einer Invasion neureicher Russen kann ingesamt also kaum die Rede sein.  So rangiert das Land, was die Anzahl der Entscheidungsträger in Schweizer Firmen angeht, im internationalen Vergleich auf Platz 25. Noch hinter Serbien, Kroatien und Kanada.

Ob das so bleibt, ist ungewiss. Experten befürchten aufgrund der jüngsten Wiederwahl von Wladimir Putin als russischer Präsident eine weitere Stagnation der Russischen Wirtschaft und einen Exit gut ausgebildeter Russen nach Europa. Mit einer Migrationswelle hoch qualifizierter Arbeitskräfte dürfte in den nächsten Jahren wahrscheinlich zu rechnen sein.

Inwiefern diese ambitionierten "Wirtschaftsflüchtlinge" das Verhältnis russischer Führungskräfte zugunsten des Managements drehen werden, ist fraglich.  Der Vorsprung bei den VR-Mandaten wird aufgrund der einflussreichen Beziehungsnetze der Oligarchen „der ersten Stunde“ wohl kaum so schnell überholt werden.

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