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Das wirtschaftliche Umfeld der FINMA-Verwaltungsräte

Geschrieben am 23.Juli.2013

Die Zusammensetzung der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (FINMA) gab aufgrund der Kandidatur des ehemaligen Ständerats Bruno Fricks für den Verwaltungsrat vielfach zu reden. Wenig Beachtung wurde dem Aufsichtssystem und der bisherigen Rekrutierung an sich in der öffentlichen Diskussion beigemessen. Dass viele Aufsichtsvertreter den Banken nahe stehen würden, wurde im gestrigen Sonntagszeitungartikel erläutert.

 

Wir zeigen in diesem Blogpost auf, was an den "Filzvorwürfen" dran ist und wie es um die Branchenherkunft der Verwaltungsratsmitglieder bestellt ist.

 

"Experten fordern einen Umbau der Finanzmarktaufsicht" lautete ein Untertitel in einem Artikel der Sonntagszeitung vom 21. Juli 2013. Der ehemalige Preisüberwacher Rudolf Strahm kritisierte darin das derzeitige System der "Miliz-Verwaltungsräte" und schlägt stattdessen ein richterliches unabhängiges Aufsichtsorgan vor, welches seiner Meinung nach unbefangener über die Tätigkeiten der Geschäftsleitung wachen könne.

Auch Bruno Frick müsste bei seiner definitiven Aufnahme in die Finanzmarktaufsicht sämtliche beruflichen Verpflichtungen auflösen, die mögliche Befangenheitsvorwürfe zur Folge hätten.

 

Drei von sieben FINMA-Verwaltungsräten haben weitere Mandate bei Banken und Versicherungen

 

Unsere Recherche auf Infocube.ch bestätigt zunächst Strahms Behauptung: Drei FINMA-Verwaltungsräte des insgesamt siebenköpfigen Gremiums halten in der Tat aktuelle Mandate in der Privatwirtschaft inne. Bei ihnen wird das geltende FINMA-Reglement somit kulant ausgelegt. So würden jene privatwirtschaftlichen Verpflichtungen keine Interessenskonflikte mit der FINMA-Aufsichtstätigkeit darstellen.

 

Es sind dies Jean-Baptiste Zufferey Dr. Yvan Lengwiler und Paul Albert Müller. Wir haben die aktuellen wirtschaftlichen Verbindungen von Zufferey und Lengwiler anhand der folgenden beiden Teledata-Netzwerkgrafiken visualisiert (siehe Grafiken unten). Bei den anderen FINMA-Verwaltungsratsmitglieder sind die Netzwerkgrafiken (fast) leer, was bedeutet, jene Mitglieder haben bei Antritt ihrer Tätigkeit sämtliche Mandate bereits abgegeben.

 

Die nebenamtlichen Verpflichtungen und Verbindungen von Jean-Baptiste Zufferey Das Beziehungsgeflecht von Yvan Lengwiler anhand seiner aktiven Mandate

Einfache Verwaltungsratsmandate bei kleineren Banken scheinen somit nach Ansicht der FINMA kein Problem darzustellen. So darf Jean-Baptiste Zuffrey sein Amt bei der Banque Privée Espirio Santo SA weiterhin ausüben.

 

Spannend sind auch die Berufsbiographien der anderen Verwaltungsräte. Rudolf Strahm unterstellte den aktuellen Aufsichtsräten im Artikel der Sonntagszeitung eine ungesunde Nähe zur Bankenbrache. Die untere Grafik relativiert diese Annahme.

 

 

Versicherungsvertreter dominieren den FINMA-Verwaltungsrat

Die meisten amtierenden Verwaltungsräte wie Paul Albert Müller oder Franz Wipfli scheinen in ihrer bisherigen Laufbahn vor allem im Versicherungssektor tätig zu sein. Sie sassen vorher jahrelang in den strategischen Gremien von verschiedenen Schwergewichten der Branche. Als Beispiele seien die Holdinggesellschaften der Swiss Life, Zurich und Helvetia genannt.

 

So ist laut der Website die zweite Gruppe der FINMA-"Beaufsichtigten" (die Versicherungen) am Besten beim derzeitigen Finanzaufsichtsgremium vertreten.

 

Aus der Finanzbranche entfallen mehrere Mandate auf Joseph Rickenbacher, der bei der UBS - seinerzeit noch als Schweizerische Bankgesellschaft bekannt- als langjähriges Geschäftsleitungsmitglied mitwirkte.

 

Die Auswertung wurde von der Orell Füssli Wirtschaftsinformationen (OFWI) produziert, auf Basis der Infocube-Datenbank. 

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