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Ausländer als Arbeitgeber in der Schweiz: Wieviele Arbeitsplätze von Migranten geschaffen worden sind (1/2)

Geschrieben am 6.August.2013

Migrationspolitische Auseinandersetzungen dominieren die politische Agenda der Schweiz schon seit Jahrzehnten. Verschiedene Abstimmungen wie die Masseneinwanderungsinitiative oder Ecopop-Initiative stellen die EU-Personenfreizügigkeitabkommen zur Disposition.

 

Oft beleuchteten Medien und Institute in ihren Statistiken verschiedene Ausländergruppierungen in ihrer Rolle als Arbeitnehmer. Wir nehmen in unserem zweiteiligen Blogpost einen neuen Standpunkt ein. Auf Basis unserer Wirtschaftsdaten haben wir analysiert, wieviele Arbeitsplätze von Deutschen, Franzosen und Italienern in den letzten Jahren in der Schweiz gegründet worden sind.


Deutsche schufen in der Schweiz im Jahr 2009 119‘979 Arbeitsplätze

 

Beginnen möchten wir unsere Analysen mit den drei grössten Ausländergruppen: Den Deutschen, Franzosen und Italienern.

 

Die Migrationsbewegungen unserer Nachbarländer nahmen nicht zuletzt seit Inkrafttreten der vollen Personenfreizügigkeit stetig zu. Nicht nur aus Anstellungsgründen zogen AusländerInnen unserer Nachbarsstaaten ins Hochsalärland Schweiz. Viele gründeten hierzulande selber auch ein Unternehmen. Diese wiederum haben neue Arbeitsplätze geschaffen, wie wir anhand der Erhebung der Mitarbeiterzahlen feststellen können.

 

Unten seht ihr drei Infografiken, die die Zahl der geschaffenen Arbeitsplätze der von Deutschen, Franzosen und Italienern gegründeten Unternehmen von 2005 bis 2012 dokumentiert:

Augenscheinlich sind dabei die Ausreisser im Jahr 2008 (Italien), 2009 (Deutsche) und 2010 (Franzosen und Deutsche). Trotz der damals einsetzende Finanzkrise prosperierte die Schweizer Wirtschaft. Zum dynamischen Arbeitsmarkt trugen nicht nur Schweizer Unternehmer, sondern teilweise auch Migranten unserer Nachbarländer bei.

 

Die Peaks der Rekordjahre im Detail: 

 

2008: Insgesamt 129‘177 Arbeitsplätze in Unternehmen, die von Italienern mitbegründet worden sind

2009: Insgesamt 117‘979 Arbeitsplätze in Unternehmen, die von Deutschen mitbegründet worden sind

2010: Insgesamt 37‘321 Arbeitsplätze in Unternehmen,  die von Franzosen mitbegründet worden sind

 

Die Grafik zeigt aber auch: Die Zahl der Unternehmensgründungen und damit einhergehender Arbeitsplätze ging in den letzten Jahren (2011/2012) bei allen drei Ausländergruppen zurück. Der Grund dürfte wohl derselbe sein, der auch Schweizer Unternehmern zu schaffen macht: Der starke Franken. Dieser Umstand wiegt bei den ausländischen Firmengründern umso schwerer, zumal anzunehmen ist, dass es sich bei den Gründungen um exportorientierte Unternehmen mit internationaler Ausrichtung handelt.

 

Bei den Unternehmensformen Gmbhs und Aktiengesellschaften werden die meisten Arbeitsplätze generiert

 

Im Frühjahr haben wir uns die Gründungsaktivität von Ausländern während der letzten Jahren bereits einmal genauer angeschaut. Das Ergebnis unserer damaligen Auswertung: Die Zahl der von Ausländern gegründeten Unternehmen ist während der Dekade 2002-2012 kontinuierlich angestiegen. Beliebt waren dabei die Unternehmensformen Einzelfirmen, Aktiengesellschaften und GmbHs (Gesellschaft mit beschränkter Haftung).

 

Diese Befunde schlagen sich in unserer aktuellen Untersuchung zum ausgelösten Arbeitsplatzvolumen nieder. Betrachtet man die Zahl der Arbeitsplätze, die durch Unternehmensgründungen von Deutschen, Italienern und Franzosen generiert worden sind, so sind bei gerade bei Aktiengesellschaften und GmbHs Mitarbeiter-Höchstwerte erkennbar. 

 

In der Tabelle seht ihr die Zahl der Mitarbeiter pro Gesellschaftsform, die von Deutschen, Französischen und Italienischen UnternehmensgründerInnen in der Schweiz beschäftigt werden: 

 

JAHR HERKUNFTSLAND GmbH Aktiengesellsch. Einzelfirmen Kommanditgesell. Arbeitsplätze insgesamt 
2005 Deutschland 2750 5321 303 49 8423
2006 Deutschland 2169 5369 393 13 7944
2007 Deutschland 22785 3954 587 44 27370
2008 Deutschland 2609 2914 514 24 6061
2009 Deutschland 3064 114192 715 8 117979
2010 Deutschland 39414 2516 909 13 42852
2011 Deutschland 3069 9430 1111 9 13619
2012 Deutschland 2644 2380 1127 8 6159
             
2005 Italien 2800 1351 572 1 4724
2006 Italien 1220 3178 553 5 4956
2007 Italien 1365 1547 512   3424
2008 Italien 127273 1302 601 1 129177
2009 Italien 1724 1110 544 4 3382
2010 Italien 4519 1222 828 1 6570
2011 Italien 1958 1812 785   4555
2012 Italien 2269 1546 1092 19 4926
             
2005 Frankreich 2149 4985 242 8 7384
2006 Frankreich 987 15066 200 12 16265
2007 Frankreich 21982 1424 311 4 23721
2008 Frankreich 977 1094 321 5 2397
2009 Frankreich 1122 18826 294 5 20247
2010 Frankreich 35119 1760 434 8 37321
2011 Frankreich 1745 1022 663 12 3442
2012 Frankreich 1913 1524 743 16 4196

 

Eine wichtige Bemerkung bleibt bei der Interpretation der Zahlen noch anzufügen: Bei den Gründungsgremien sämtlicher Unternehmen könnten auch Schweizer (mit-)beteiligt sein. Dies trifft insbesondere auf Unternehmen der Formen GmbHs, Aktiengesellschaften und Kollektivgesellschaften/Kommanditgesellschaften zu. Firmen, die alleine von Ausländern ins Leben gerufen worden sind, können demnach nur in der Kategorie "Einzelfirmen" ausgewiesen werden. 

 

Die Auswertung wurde produziert von der Orell Füssli Wirtschaftsinformationen AG (OFWI) auf Basis der Datenbanken Infocube.ch und Teledata.ch 

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