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Apropos Ventilklausel: Drängen die Osteuropäer uns auch aus den Chefsesseln?

Geschrieben am 19.April.2012

Gestern verkündete der Bundesrat die Aktivierung der Ventilklausel um die Zuwanderung aus den 8 osteuropäischen Ländern zu kontingentieren.

Dieses Signal der Politik richtete sich v.a. an die Billigarbeitskräfte der EU-8, welche hierzulande im Gastgewerbe, in der Landwirtschaft und im Gesundheitswesen tätig sind. Wie steht es aber um die Zuwanderung von Osteuropäern auf Kaderstufe? Lässt sich auf dieser Wirtschaftsebene ebenfalls etwas vom vielbesagten „Ansturm“ der Osteuropäer ausmachen? Diesen Fragen möchten wir in diesem Blogpost nachgehen und euch einige spannende Facts & Figures zu diesem Thema präsentieren.

Anteil der weiblichen Führungskräfte aus Osteuropa ist gestiegen

2012 haben in 3 osteuropäische Staaten je über 500 BürgerInnen ein Mandat bei einer Schweizer Firma inne. Es sind dies Polen, Ungarn und Tschechien. Alle 3 Staaten weisen dabei im Zeitraum von 1999 bis 2012 eine Zunahme der Führungskräfte im Management und Verwaltungsrat von 15-25% auf.  

Land                  Zunahme der Mandate 1999-2012  

Ungarn              + 25,2 % (im Jahr 2012: 757 MandatsträgerInnen) 

Polen                 + 19%  (im Jahr 2012: 699 MandatsträgerInnen)

Tschechien        +15,6%   (im Jahr 2012: 611 MandatsträgerInnen)

Interessanter als die gesamten absoluten Zahlen, sind die Veränderungen beim Geschlechterverhältnis innerhalb der jeweiligen Nationen.  Obwohl nach wie vor mehr männliche Osteuropäer im Management und Verwaltungsrat von Schweizer Firmen vertreten sind, gab es bei den Frauen einen kräftigen Schub in den letzten 10 Jahren. Verfügten im Jahr 2002 8 Tschechinnen über ein Schweizer VR-Mandat, so sind es in diesem Jahr 50 Frauen, was einer Zunahme des Frauenanteils von 98% entspricht.

TSCHECHIEN (F= Frauen; M=Männer; VR=Verwaltungsrat; MGT=Management)

VR F 2002                                             VR M 2002   56

VR F 2012      50                                      VR M 2012   152

MGT F 2002     41                                     MGT M 2002   87

MGT F 2012    160                                    MGT M 2012 249

VR F Zunahme 2002-2012        +98 %

MGT  F Zunahme 2002-2012     +22%                                                                                                                                             

Diese Zahl wird von den Ungarinnen getoppt. Sassen 2002 gerade mal 2 Ungarinnen im VR einer Schweizer Firma, so verfügen nun 50 Ungarinnen ein Mandat in den strategischen Entscheidungsgremien. Somit nahm hier der Anteil der Ungarinnen gegenüber ihren männlichen Landsleuten um  124% zu! Ein ähnlicher Trend zeichnet sich im Management ab: Führten im Jahr 2002 32 Ungarinnen und 74 Ungarn eine Schweizer Firma, haben die Frauen mit 197 Mandaten in diesem Jahr um 47% zugelegt.

UNGARN (F= Frauen; M=Männer; VR= Verwaltungsrat; MGT= Management)

VR F 2002                                 VR M 2002 27

VR F 2012      32                          VR M 2012  175

MGT F 2002   24                           MGT M 2002  75

MGT F 2012   197                         MGT M 2012 353

VR F Zunahme 2002-2012      +124%

MGT F Zunahme 2002-2012    +48 %                                                                                 

Bei den Polen haben die weiblichen Mandatsträger v.a. bei den Verwaltungsräten mehr Positionen in den letzten 10 Jahren erringen können. Mit 59 (2012) im Vergleich zu 12 Verwaltungsrätinnen (2002) haben die Polinnen ebenfalls 46 % gegenüber ihren männlichen Mitstreitern wettmachen können.

POLEN (F= Frauen; M=Männer; VR=Verwaltungsrat; MGT=Management)

VR F 2002        10                                     VR M 2002      41

VR F 2012        59                                     VR M 2012     147

MGT F 2002      33                                     MGT M 2002  51

MGT F 2012      207                                   MGT M 2012   286

VR F Zunahme 2002-2012         +46%

MGT F Zunahme 2002-2012        +7%

 

Personenfreizügigkeit kaum bemerkbar

Interessanterweise hat der Beitritt der drei Staaten in die europäische Union kaum spürbare Effekte bei der Führungsebene von Schweizer Firmen ausgelöst. Zwar erhöhte sich nach der offiziellen EU-Erweiterung  im Jahr 2004 die Zahl MandatsträgerInnen in Ungarn und Polen kurzfristig um ein paar Prozentpunkte. Doch scheint dieser Trend in den letzten Jahren gebremst worden zu sein: So verminderte sich das Wachstum bei den Mandaten (MT) in allen 3 Ländern um einige Prozentpunkte im Vergleich zum Zeitraum von 1999 bis 2008. In Ungarn übernahmen seit 2008 sogar bis zu 13 Prozent weniger Führungskräfte ein Mandat, als in der vorgängigen Zeitperiode (2004-2008).

Land      Zunahme MT 1999-2003       2004-2008             2008-2012

Ungarn        +27, 15 %                          +29,4%                       +16%

Polen            +19, 9 %                           +20%                           +17,7%

Tschechien  +18, 9%                            +13. 2%                       +11,8 %

Journalisten und Blogger dürfen die Auswertungen über Frauen und -Ausländeranteile beim Management und Verwaltungsrat von Schweizer Firmen (von 1999-2012) gerne via Email bei uns kostenlos bestellen:  marketing[at]infocube.ch

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