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Unbegrenzte Kaufmöglichkeiten im Web. Wie junge Konsumenten in der Schuldenfalle tappen

Geschrieben am 22.August.2012

Der Radar 2012 von Intrum Justitia zur Jugendverschuldung bestätigt den beunruhigenden Trend aus dem Vorjahr. Junge Menschen zwischen 18 und 25 Jahren verschulden sich im Vergleich zu ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung überproportional.  Je jünger jemand in die Schuldenspirale gerät, desto eher bleibt er darin gefangen.

Höhere Verschuldung im Gesundheitswesen, E-Commerce und Telekommunikation


Junge Frauen verschulden sich überdurchschnittlich im Bereich Gesundheitswesen. Gründe für Schulden seien hier neben den Krankenkassenprämien und hohen Franchisen vor allem unbezahlte Rechnungen.  Junge Männer verschulden sich dagegen mit 60 Prozent überdurchschnittlich häufig beim Online-Versandhandel. Im Vergleich zum Vorjahr sind Schulden aus dem Bereich Telekommunikation weiter gestiegen. Verantwortlich dafür sind laut «Radar 2012» nicht zuletzt Smartphones mit Internetnutzung und teure Geräte mit hohem Sozialprestige.

 

Schulden erschweren Einstieg ins Berufsleben


Unternehmen im B2C-Bereich setzen immer mehr auf Online-Shops. Gerade junge Erwachsene weisen eine grosse Online-Affinität auf und sind sich gewohnt, Güter und Dienstleistungen im Web ein. Eine Prüfung der Solvenz und auch Verifikation der Personendaten dieser jungen „Risikogruppe“ tut not.

 

Denn laut dem Radar 2012 sind 5 Jahre nach der Erstverschuldung Männer und Frauen in dieser Altersgruppe (18-25-Jährige) immer noch zu 37 Prozent verschuldet. In diesem sensiblen Alter ist eine makellose Reputation für den Eintritt in die Arbeitswelt und für die Wohnungsbewerbung jedoch entscheidend. 

 

Die Auswertung von Intrum Justitia zeigt, dass sowohl für Anbieter als auch für junge Konsumenten die permanente Beobachtung des Zahlungsverhaltens von enormer Wichtigkeit ist. Gerade bei Abschluss eines Abo-Kaufvertrags in der Telekommunikationsbranche müssten Unternehmen stets ein Auge auf die junge Käufergruppe behalten. Nicht zuletzt auch weil diese finanziell noch nicht auf eigenen Beinen stehen.

 

Risikoprüfung bei jungen Konsumenten hat Signalwirkung


Diese Erfahrungswerte begründen mitunter den Umstand, weshalb auch Minderjährige als eigenständige Personen in Wirtschaftsdatenbanken eingetragen werden (wie wir in einem früheren Blogbeitrag bereits erläuterten). Oftmals stammen junge verschuldete Personen aus Familien, in denen die Eltern ebenfalls keine gute Zahlungsmoral vorgelebt haben.  Als eigene Entität werden sie von der Schuldenbiographie enger Angehöriger „verschont“, da sie – bei Risikoprüfung durch den Lieferanten- nicht als Rechnungsempfänger angegeben werden können.  Der Anbieter der Ware oder Dienstleistung würde aufgrund des minderjährigen Alters des Bestellenden aufhorchen und die Lieferung bei der angezeigten Haushaltsverbindung (zu einem verschuldeten Angehörigen) vorerst aussetzen.

 

Initiativen wie diejenige der Stiftung des Konsumentenschutzes, welche den Anbietern von Bonitätsregistern die Fichierung und Verwaltung von Personendaten untersagen möchte, sind somit aus Sicht des Konsumentenschutzes kontraproduktiv. Nicht nur entstehen den Anbietern im E-Commerce und Telefonkommunikation infolge des Betreibungs- und Abmahnungsprozesses hohe Kosten. Den jungen Erwachsenen wird durch die fehlenden Grenzen das Signal vermittelt, ihre Kaufmöglichkeiten im Web seien quasi unerschöpflich und  Konsumgüter jederzeit verfügbar. Was zur Folge hat, dass sie sich immer tiefer durch die Schuldenspirale "klicken".

 

Solange kein zentrales staatliches Datenregister über das Zahlungsverhalten junger Erwachsener und minderjähriger Jugendlicher geführt wird, sind neben pädagogischen Massnahmen (Umgang mit Geld und Konsum in der Schule) auch die Prüfung/Verifikation mithilfe von Wirtschaftsdatenbanken (wie Infocube.ch und Teledata.ch) ein wichtiger Hebel, um nach einer Erstverschuldung den Kreislauf zu durchbrechen.