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„Datenvisualisierungen machen unsere Welt verständlicher“

Geschrieben am 22.Juni.2012

Unter diesem Motto fand gestern in Zürich die Fachtagung „Datenjournalismus“ mit rund 50 Teilnehmenden statt. Die deutschschweizweit erste Fachtagung zu diesem Thema war eine gemeinsame Veranstaltung von uns (Orell Füssli Wirtschaftsinformationen), der Finanznachrichtenagentur AWP und der Journalistenschule MAZ. Gemeinsam möchten wir die zukunftsträchtige Thematik „Datenjournalismus“ in der Schweiz fördern und eine Plattform schaffen, die Spezialisten und Interessierte zusammenbringt und so den Dialog unterstützt.

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Daten sind die Zutaten

Nach einem leicht verspäteten Start, eröffnete Robert Furger, Leiter Marketing und Business Development OFWI, die Tagung und leitete in das Thema ein: "Der Datenjournalismus hat eine Analogie zu einem Restaurantbetrieb. Die Zutaten (Daten) für ein Gericht müssen zuerst sauber vorbereitet (Datenanalyse) und dann zubereitet werden (Story). Jetzt ist es aber auch wichtig, dass das Gericht schön präsentiert (Datenvisualisierung) und serviert (publiziert) werden um dem Kunden eine Freude zu bereiten". Die OFWI hat in der Vergangenheit bereits einige Anwendungen für die Visualisierung von Wirtschaftsdaten (Parlament Explorer, Floralies) umgesetzt und "hauseigene" Auswertungen in Zusammenarbeit mit diversen Sonntagszeitungen medial verwerten können. Die Medienschaffenden habe dabei ganz nach journalistischen Gesichtspunkten ihren Fokus auf einen bestimmten Aspekt der Daten gerichtet- meist passend zu einem aktuellen Aufhänger oder einer heissen politischen Debatte. Oft bleibe aber der Datenfundus nach Publikation der Leitartikel  unausgeschöpft, weil die Informationen bereits schon verarbeitet worden und der Newswert danach gering sei. 

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Die Schweiz im Mittelfeld bei OpenData

„Datenvisualisierungen machen unsere Welt verständlicher, transparenter und effizienter“, unterstrich der erste Gastreferent Andreas Amsler die Bedeutung von Open Data und Datenjournalismus. Das Gründungsmitglied des Vereins Opendata.ch forderte die Schweizer Medienunternehmen dazu auf, Datenjournalismus in den Redaktionen auf- und auszubauen und vom Prinzip der Exklusivität (Erlangung des Primeurstatus) abzurücken. Denn erst die vertiefte Auseinandersetzung mit offenen und transparenten Daten biete einen publizistischen Mehrwert für die Öffentlichkeit. Ganz allgemein plädierte er dafür, den freien Zugang durch Schnittstellen zu Government Data zu fördern, sei das auf Bundes-, Kantons- oder Gemeindeebene. Im Ländervergleich befände sich die Schweiz punkto freiem Datenzugang nicht im Spitzen-, sondern eher im Mittelfeld. Hier der Link zu seiner Präsentation.

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Falsche Methodik bei Infografiken sind irreführend

Michael Hermann, Inhaber und Leiter der Forschungsstelle sotomo, hob hervor, Datenjournalismus sei ein mächtiges Tool. Der Senior Lecturer am Geographischen Institut der Universität Zürich, der das politische Spinnenprofil entwickelt hat, das in den Schweizer Medien zum Standard für die Charaktersierung von PolitikerInnen und Parteien geworden ist, ermahnte die Medienschaffenden indes zu Verantwortung und Sorgfalt im Umgang mit Daten und deren Visualisierung. Die visuelle Aufbereitung umfangreicher Datensätze vermittelt zwar oft rascher Zusammenhänge und Dimensionen als ein Text. Liegt den Visualisierungen aber eine falsche Methodik zu Grunde, können schnell missführende Rückschlüsse oder falsche Analysen gezogen werden. Das Referat von Michael Hermann kann man hier nachlesen.

 

In der Schweiz noch wenig verbreitet

Datenjournalismus ist in der Schweiz noch wenig verbreitet. Abschlussredner Joseph Dreier führt diesen Umstand darauf zurück, dass Datenjournalismus für etliche Medienunternehmen offenbar zu aufwendig, zu zeitintensiv und zu teuer sei. Dreier, gerüstet mit jahrelanger Erfahrung in Zeitungsredaktionen und Nachrichtenagenturen, lehrt unter anderem als Dozent für Infografik und Datenjournalismus. Er kritisierte, dass die Schweizer Medienhäuser beim Datenjournalismus bisher noch „keine überzeugende Strategie“ hätten. Datenjournalismus sei nämlich das Resultat von Teamwork. Verschiedene Experten tüfteln bei der Umsetzung von 4 wesentlichen Schritten mit: Erstens müssen Daten maschinenlesbar gemacht (Statistiker, Programmierer), 2. Muster erkannt (Politiker, Journalisten, Wissenschaftler), 3. Grafikformate ausgewählt werden (Grafiker, Statistiker) und 4. Storytelling (Politiker, Journalisten, Blogger, Wissenschaftler) daraus resultieren. 

Wie die Vorredner konstatierte Dreier, „transparenter und intelligenter Datenjournalismus ist wichtig“. Denn Medienhäuser könnten mit verantwortungsvollem „Datenjournalismus verlorenes Vertrauen zurückgewinnen“. Hier findet ihr den Link zu Joseph Dreiers' Referat

 

Tagung ein voller Erfolg

Informationen in Echtzeit verarbeiten und für alle zugänglich machen- dies lebt ein Besucher nach der Tagung gleich vor und fasste seine Eindrücke und Überlegungen zum Thema Datenjournalismus innert Rekordzeit (2,5 Stunden nach dem Anlass) in seinem Blogartikel zusammen. Der Bloggerszene ist er bestens bekannt; die Rede ist von Philippe Wampfler

Auch sonst wurde parallel zu den Referaten unter dem Hashtag #djch12 eifrig getwittert, kommentiert und Fragen gestellt.  

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Der gut besuchte Event stiess auf reges Interesse unter den Medienschaffenden und ist Beweis dafür, dass diese relativ neue Mediendisziplin an Bedeutung gewinnen wird. Wir werten das Pilotprojekt als vollen Erfolg und freuen uns darauf, bald die Fortsetzung in Angriff zu nehmen. Die Triage eines Nachrichtenproduzents (AWP), eines Datenlieferants (OFWI) und eines Lehrinsitituts (MAZ) hat sich als Trägerschaft für die Plattform zu diesem Thema bewähren können.

 

Wir danken der AWP und der MAZ Luzern für ihre Unterstützung sowie dem Starbucks Stauffacher-Personal für die hervorragende Location und tolle Betreuung vor Ort. 

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